Japan: Pedale im Osten

Japan kennen wir vor allem als Autohersteller. Aber, wie Masaya Komai zu berichten weiß, tut sich auch in der pedalbetriebenen Sparte einiges.

Japan ist sehr fahrradorientiert, und lässt sich mit keinem anderen Land vergleichen. Wer sich hier in den Sattel schwingt, ist zum Kaufhaus oder zum Bahnhof unterwegs, oft auf einem Falt- oder elektrischen Rad. Langstrecken-Fahrten findet man eher sonderbar. Die Japaner sind oft erstaunt, wenn sie Radreisenden begegnen, zeigen sich aber von einer ausgesprochen hilfsbereiten Seite. Auf dem Land kann es durchaus vorkommen, dass die Einheimischen dir Nahrungsmittel spendieren. Obwohl es auch in Japan Verrückte gibt, kann man davon ausgehen, dass die Autofahrer ziemlich nachsichtig fahren, sogar auf engen Straßen. Die Kriminalitätsrate ist auch niedrig, so kann man sagen, dass Japan zu den sichersten Ländern für Radfahrer gehört.

Ist auch gut so, denn japanischen Straßen sind schmal und innerorts stark befahren. Die Verkehrsregeln für Fahrräder sind ziemlich vage definiert: du kannst wählen, ob du auf dem Gehsteig oder auf der Straße fahren möchtest. Letzteres ist im allgemeinen sicherer. In Küstennähe können die Straßen sehr steil ansteigen, was bedeutet, dass eine Karte mit topographischen Angaben ein Muss ist. Vorsicht ist bei Mieträdern geboten. Die meisten erhältlichen Maschinen sind schrottreif. A propos Schrott: Die Straßen sind oft mit abgestoßenen Fahrerrädern gespickt. Es kommt vor, dass Reparaturstätten keine anderswärtig gekauften Räder entgegennehmen. Zu erwähnen ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Antriebsteile unter der hohen Luftfeuchtigkeit leiden. Vielleicht ist dies der Grund, warum die Japaner an den wartungsarmen Kardanantrieben herumexperimentieren. Was du nicht sehen wirst, ist das Tandem, da es, mit Ausnahme zweier fortschrittlicher Regionen, im Straßenverkehr nicht zugelassen ist. Auf gewissen Straßen besteht Verbot für Radfahrer, sehr oft sind dies Überführungen. Außerdem sollte man sich vor Augen halten, dass Radfahrer in Städten bei großen Kreuzungen nicht rechts abbiegen dürfen. In einer solchen Situation ist die Zwei-Schritte-Methode anzuwenden. Diese besteht darin, sich links am Straßenrand auf den Gehsteig zu stellen, um dann den Fußgängerstreifen auf die andere Seite zu benutzen. Von hier aus bedienst du dich dann auch des Fußgängerstreifens der angepeilten Straße, wo du, einmal dort angekommen, dein Rad wieder besteigen kannst. Dies mag nun etwas unpraktisch scheinen, doch solltest du daran denken, dass die Krankenwagen von der Feuerwehr betrieben werden, und die Besatzungen über weniger Ausbildung als allgemein üblich verfügen. Der Zugang zu Notfallstationen ist außerhalb der Geschäftszeiten erschwert, besonders in den Vororten.

Das Aufladen von Fahrrädern auf öffentliche Verkehrsmittel ist unproblematisch, solange du es  à la Japonaise tust. Das heißt, dass du dir eine sogenannte Rinkotasche kaufst oder nähst, in welcher du dein Rad, mit den Rädern vom Rahmen entfernt, verstauen kannst.  In den meisten Bussen und  Bahnen ist das Mitführen von Rinkos erlaubt. Es gibt nur wenige Langstreckenbusse, in denen die Rinkotaschen nicht gestattet sind. Für den Transport auf der Japanischen Bahn wird eine Gebühr von 270 Yen erhoben, und es ist möglich, dass du in gewissen örtlichen Bussen für den Transport auch  einen kleinen Betrag bezahlen musst. Auf den Fähren hast du die Wahl: Entweder du bezahlst die Gepäckgebühr für dein Rad im Rinko, oder du bezahlst den (höheren) Fahrradtransportpreis, wenn du dein Rad unzerlegt an Bord nehmen möchtest. Auf allen Inlandflügen werden Rinkos kostenlos aufgeladen, solange das Gesamtgewicht deines Gepäcks die Begrenzung nicht übersteigt.

Und wo radelt´s sich am besten? Eine meiner liebsten Touren ist die nach Kawayu Onsen, einer Therme , die man über eine traumhafte Radroute erreicht. Und was gibt es Angenehmeres als  nach einer Radtour mit einem kühlen Bier ins wohltuende Wasser einer Thermalquelle zu springen? Die Route durchquert das Wakayama-Gebiet. Vom internationalen Kansai- Flughafen in Osaka aus gelangst du per Bahn über Hineno und Wakayama-Stadt nach Kitanabe. Hier steigst du aus und setzt dein Rad zusammen. Dann geht es auf der Nationalstraße 42 weiter in südlicher Richtung. Beim Aufstieg auf den Kobirogipfel öffnet sich die Sicht auf den ‘Kawa Onsen'. (‘Kawa' bedeutet Fluss, und ‘yu' heißes Wasser.) Die Thermalquellen befinden sich neben einem Fluss in der Nähe der Kajika-so Jugendherberge. Die Thermalquellen sind rund um die Uhr benutzbar, und Badesachen sind fakultativ.

In der Nähe gibt es noch weitere Thermalquellen, unter anderem die Yunomine Onsen und die Watarase Onsen, und die interessante Shinto-Grabstätte ‘Kumano-hongu-taisha' kann hier auch besucht werden. Wenn du alle diese Dinge zur Genüge genossen hast, könntest du die Straße 168 nehmen, welche  den schönen Fluss Kumano entlang nach Shingu Station führt.

Ein anderes lohnendes Radgebiet ist das Shimanto Flusstal, das bei Shikoku grüne Wälder zur Kulisse anbietet. Auch das alte Fischerdorf auf Sado Island ist einen Besuch wert.

Fahrradveranstaltungen werden in ganz Japan durchgeführt. Dazu gehört auch die jährliche Kumano Tour, welche in der Nähe von Kawano-yo stattfindet. Informationen über diese und auch andere Veranstaltungen sind bei der Japanese Cycling Association erhältlich. Ein anderes, recht einmaliges Radsportphänomen ist unser weltberümtes Keirin Bahnrennen. Dieses erinnert eher an ein Windhundrennen als an das, was wir  unter einem üblichen Radrennen verstehen. Aufgebaut auf  Wetten (in Japan eine besonders beliebte Freizeitbechäftigung) zählt das Keirin neun Fahrer, die sich aus numerierten Boxen stürzen. Mit einem Vorsprung von etwa 90 Metern rast der menschliche Feldhase dahin, und schon ist die Jagd in voller Fahrt. Das Ziel ist, sich möglichst nahe am Hasen zu halten(er ist auch hoch zu Rad) und für die ersten drei Runden dort zu bleiben. Der Hase wird dann seine Geschwindigkeit steigern, und ganz knapp vor der letzten Runde zieht er dann los. Die Rennfahrer stechen einander aus und rangeln um einen guten Platz, wenn sie den Endspurt beginnen.

Für eine etwas friedlichere Unterhaltung zum Thema Fahrrad ist das Bycle Culture Centre in Tokyo zu empfehlen. Hier findet man eine faszinierende  Sammlung antiker Fahrräder, Fahrradkunst, und anderer fahrradverdächtiger Objekte.

Geographie und Klima

Japan besteht aus vier Hauptinseln (Honshu, Shikoku, Kyushu und Hokkaido) und über 4000 kleineren. Sie sind in einer von Norden nach Süden 3000 km langen Halbmondform angeordnet.

Nahezu 70% der Fläche Japans ist Berggebiet, und 66% des Landes ist Waldgebiet. Alle Gebiete außer Hokkaido haben eine heiße und sehr feuchte Regenperiode, welche von Anfang Juni bis Ende Juli dauert. Der Südwesten wird zwischen August und Oktober oft von Taifunen heimgesucht. Hokkaido liegt 6 Monate lang unter einer Schneedecke. Die beste Radreisezeit ist hier von Juni bis September. Im Sommer herrscht eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit, und auf den südlichen Inseln klettern die Temperaturen über 35 Grad Celsius. Somit sind in den übrigen Gebieten Japans der Frühling und der Herbst die angenehmsten Jahreszeiten, obwohl man während dieser Zeiten mit starken Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht rechnen muss.

Unterkunft

In Japan haben wir ein Netz von sogenannten Cycling Terminal Facilities. 57 sind es an der Zahl.  Sie stellen unter anderem Unterkunft und Mieträder zur Verfügung. Geführt werden diese Unterkünfte von den regionalen Gemeinden. 

Wenn du lieber zeltest: die Zeltplätze sind auf der Karte eingezeichnet. Doch Japanische Radfahrer sind meist in der Jugendherberge anzutreffen.  Hier lernst du auch leicht andere Radfahrer kennen, mit denen du Informationen austauschen kannst. Es empfiehlt sich,  vor der Abreise in deinem Land Mitglied im Jugendherbergsverband zu werden. Diese Mitgliedschaft ist in allen japanischen  Jugendherbergen gültig und verhilft dir zu Sonderpreisen. Aber Vorsicht: In einige Teilen Japans gibt es keine Jugendherbergen. In diesen  Gebieten macht man am besten von den familienbetriebenen ‘Minshukus' Gebrauch. Diese sind private Gasthäuser, in denen eine freundliche, entspannte Atmosphäre besteht.

Da Japan viele Berggebiete hat, gibt es eine Menge Tunnel. So sind, auch wenn keine nächtlichen Ausfahrten geplant sind, eine Fahrradlampe und Reflektoren erforderlich. Erwarte aber nicht, dass du in Japan preisgünstige Ersatzteile kaufen kannst: Die Preise sind hoch (solange die Währung hält), und dies gilt auch für Fahrradteile. In Japan ist das Helmtragen nicht obligatorisch, aber trotzdem sehr ratsam. Ratsam ist es auch, sich mit guter Regenbekleidung auszurüsten. Und zu guter Letzt: nicht vergessen, in Japan herrscht Linksverkehr.