Das Wüstenrad

Klapperschlangen sind für die Radfahrer in den Wüsten im Süden der USA ein Berufsrisiko, wie Frank Colver erklärt. Dass die Füße weit weg vom Boden und von den Schlangen sind, ist bloß eines der Vorteile seines Wüstenliegerades.

‚El Camino del Diablo‘ ist der Teufelsweg, ein alter spanischer Weg in Süd-Arizona, eine Hölle aus lockerem Sand und Kies voller Schlangen. Ich kann mit aller Sicherheit sagen, dass mein Liegerad das erste war, das je auf diesem Weg gefahren ist, als ich diesen April mit einem Freund dort war.

In den Wüsten von Kalifornien und Arizona ist ein normales Mountain Bike eine Qual, wenn es im Sand versinkt, die Haftung verliert und auf den Steinen rumpelt – ein ganz schöner Unterschied zum Fahren eines Liegerads auf einem befestigten Fahrradweg. Ich wollte auch unter rauhen Bedingungen ein Liegerad fahren können. Nachdem ich ein paar verschiedene Liegeräder ohne großen Erfolg Off-Road ausprobiert hatte, zog ich große knubbelige Reifen auf mein Greenspeed Dreirad auf und testete es als Gelände-Liegerad. Es hatte eine bessere Stabilität, aber nicht genug Bodenfreiheit und Haftung. Als nächstes habe ich mein eigenes Gelände-Dreirad mit sehr großen Reifen entworfen und gebaut, abgebildet in BCQ 11, S. 53. Später habe ich die sieben Zoll breite Reifen auf allen drei Rädern benutzt. Ich habe zwei dieser Dreiräder gebaut und gefahren, doch dann wollte ich eine Zweiradkonstruktion ausprobieren.

Ich gab der neuen Maschine den Namen ‚Desert Bike‘, weil sie für die Steine und den Sand der Wüsten im Süden der USA gebaut war. Doch seitdem bin ich damit auch auf Bergwegen und unbefestigten Straßen gefahren und hatte einen Mordsspaß. Ich kann über Steine donnern, über Abschüssiges fahren und steile Gefälle hinunterfahren, die ich mit jedem anderen Fahrrad verweigern würde. Ich war nie ein verrückter Mountain-Bike-Fahrer – schon gar nicht im Alter von 64 – aber mit dieser Maschine kann ich an Stellen fahren, wo ich jedes andere Fahrrad schieben müßte.

Wenn man mit dem Liegerad durch rauhes Gelände fahren will, braucht man eine völlig neue Fahrrad-Handling-Technik. Eine kurze Sitzlehne ist äußerst wichtig, damit ich meinen Oberkörper leicht zum Balancieren bewegen kann, und die relativ hohe Sitzposition gibt mir mehr Kontrolle über das Fahrrad, wenn ich mein Gewicht verlagere.

Weil ich jahrelang konventionelle Fahrräder Off-Road gefahren bin, vergesse ich immer noch, dass ich meine Füße leicht und schnell auf den Boden stellen kann, wenn ich muss. Das niedrige Tretlager ist hilfreich, und die breiten Reifen geben mir zusätzliche Stabilität, wenn ich an schwierigen Stellen sehr langsam fahre. Als ich anfing, stieg ich meistens zu früh ab. Jetzt habe ich gelernt, üblen Situationen zu entkommen, indem ich plötzlich Kraft auf die Pedale gebe, anstatt langsamer zu fahren oder meine Füße hinzustellen.

Der lange Radstand bringt weniger Gewicht auf das Vorderrad, so dass es über Sand und Steine ‚schwebt‘ – aber das Rad selbst ist schwer genug, um beim Klettern ‚festgehakt‘ zu bleiben. Das ist ein Vorteil der großen, schweren Geländereifen. Ich gebe diesen Reifen 0,4 Bar für normale Bedingungen, 0,2 Bar für sehr weichen Sand (Strandsand), 0,7 Bar für festgefahrene Straßen und 1,0 Bar für Straßen mit Straßendecken. Ich habe auch einen Satz Straßenräder mit 20 Zoll BMX-Felgen und Hochdruckreifen angefertigt, die ich für lange Straßenfahrten benutze.

Das Fahrrad wiegt 30 kg, und wenn man umfällt, muss man den Fuß schnell auf den Boden bringen, sonst bekommt man ihn nicht unter den Schwerpunkt. Das Gute dabei ist, dass man nicht allzu weit fällt! Ich bin öfter gefallen, auf schwierigem Gelände und bei langsamer Fahrt, aber ohne Kratzer und blaue Flecken. Das könnte ich von ähnlichen Stürzen von meinen normalen Mountain Bikes nicht sagen.

Ich baue jetzt fünf weitere Desert Bikes, von denen ich eins behalte, damit ich zwei habe. Die anderen vier werden verkauft – schreiben Sie mir, falls Sie Interesse haben! Die Fahrräder verlangen viel Bearbeitung, und weil es für mich nur Teilzeitarbeit ist, hat es sehr lange gedauert. Ich habe die Konstruktion im Laufe der Zeit ein wenig geändert, wobei ich jedes neue Design in das ursprüngliche Fahrrad einbaue, um es beim Fahren zu testen.

Ich habe auch mit einem neuen, kleinen (26 cc), sauberen Viertaktmotor für Heckenscheren experimentiert, um Fahrten ‚mit extra Energy' in den Wüsten und Bergen zu machen. Die Ergebnisse waren gut, und ich hatte viel Spaß, auf den ‚Jeep‘-Wegen zu fahren. Man kann den Motor in genau zwei Minuten ausbauen, was mir die reine Muskelkraft für die Wege zurückgibt, auf denen motorisierte Fahrzeuge nicht erlaubt sind.

Selbst mit dem Motor muß ich in tiefem Sand oder auf einer Steigung in die Pedale treten. Manchmal muss ich mich genauso anstrengen wie ohne den Motor, nur dass ich schneller fahre und schneller oben ankomme.

Die Höchstgeschwindigkeit mit dem Motor allein ist ca. 20 km/h auf ebenem Boden, es hat also nichts mit einem Motorrad zu tun. Aber ich musste es als Moped anmelden. Die meisten unbefestigten Straßen auf staatlichem Land erfordern straßentaugliche Kraftfahrzeuge, deshalb habe ich die erforderliche Beleuchtung, Hupe usw. angebracht, nachdem diese Fotos gemacht wurden. Der kleine Viertaktmotor erfüllt bzw. übererfüllt alle neuen Bestimmungen gegen Luftverschmutzung für kleine Motoren. Er raucht nicht, stinkt nicht und lärmt nicht.

Ich werde nach diesen fünf keine weiteren mehr bauen, denn ich habe schon andere Projekte im Kopf. Sie werden schon sehen!

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